Letzten Samstag haben über 15.000 Menschen friedlich unter dem Motto „Demokratie braucht keine Alternative“ mit der größten CSD-Demonstration in Hessen wieder gezeigt, wie bunt Frankfurt sein kann. Denn diese Stadt sind wir, die Bürgerinnen und Bürger, wir füllen die Straßen, die Plätze, die Parks erst mit Leben. Und wir kommen in allen Farben und Formen. Mittendrin statt nur dabei war dieses Jahr auch die SPD Mitte-Nord mit ihrer Co-Vorsitzenden Judith Vater, der ehemaligen Schriftführerin Tabea Vater und dem Ortsbeirat und stellvertretenden Vorsitzenden der SPDqueer Frankfurt Andre Wartner. Sie haben all denen, die nicht laut sein können, ihre Stimme geliehen. Und werden das auch weiterhin von ganzem Herzen tun.
Wir werden immer mehr. Deshalb ist das von Freitag bis Sonntag stattfindende Straßenfest bereits letztes Jahr aus der Innenstadt ans Mainufer gezogen – und wie sich zeigt: Mit drei Bühnen, einem Jugend- und Sport-Areal, der Infomeile für Parteien und NGOs und, für unsere Jüngsten, einem Familienbereich war für jeden Geschmack wieder etwas dabei. Der Kampf für Menschenrechte endet aber nicht bei einer queeren Person selbst: er strahlt auf alle Menschen aus. Wir kämpfen nicht nur für die Rechte queerer Menschen. Wir kämpfen friedlich und laut für Junge und Alte, alle Hautfarben, alle Sprachen und Dialekte, jede friedliche Religion und demokratische politische Gesinnung, jeden Weltbürger und jede Sexualität. Und dafür gehen wir auch nächstes Jahr wieder auf die Straße. Dann vielleicht mit Ihnen, Dir oder Euch. Wir würden uns freuen.
Das Motto des CSD Frankfurt 2026
Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben uns damals diesen progressiven Gedanken mit auf den Weg gegeben: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Das ist auch das Leitbild des CSDs und der queeren Gemeinschaft. Dafür kämpfen wir gemeinsam – gestern, heute und morgen. Wir brauchen keine Alternative.
Und der Kampf wirkt. Zwei Beispiele gefällig? Wo es früher noch undenkbar war, dass Menschen des gleichen Geschlechts heiraten, sind queere Menschen heute gleichberechtigt. Oder die Änderung des Personenstandsrechts, die es transsexuellen Menschen erlaubt, ohne teure Gutachten Ihren Namen und ihr Geschlecht ändern zu können.
Nicht zuletzt hat Aufklärungsarbeit wie diese uns queeren Menschen zu einer breiteren öffentlichen Aufmerksamkeit verhelfen können: Noch lange nach der Zeit des Nazi-Regimes ging die Frankfurter Polizei gegen Homosexuelle vor, heute ist sie Teil des Demonstrationszugs und hat einen eigenen Stand auf dem politischen Straßenfest.
SPDqueer Frankfurt
Geschichte wiederholt sich. In den 1960er nutzten Homosexuelle den Code „A Friend of Dorothy“, um sich anderen Homosexuellen gegenüber zu erkennen zu geben. – Eine Anspielung auf die von Judy Garland im Filmklassiker „Der Zauberer von Oz“ verkörperte Dorothy, die sich mit ihren Begleitern auf den gemeinsamen Weg in eine hoffnungsvollere Zukunft begibt.
Mit unserem Motto wollen wir dafür eintreten, dass queere Menschen nie wieder das Gefühl haben sollen, sich verstecken zu müssen. Homophobie ist – wie Rassismus, Misogynie, Ableismus und Xenophobie – ein wieder erstarkendes Phänomen. Fehlgeleiteter und falsch verstandener religiöser Fanatismus und politische Ideologien aus dem rechten Rand breiten sich auch wieder in Europa, Deutschland und bei uns in Frankfurt aus. Man bekämpft, was nicht in das eigene Weltbild passt. Das christliche Weltbild – liebe deinen Nächsten wie dich selbst – wird ad absurdum geführt: Es wird nicht mehr die Hand gereicht, nicht mehr aufeinander zugegangen, nicht mehr miteinander gelebt. Stattdessen werden Menschen geschlagen, weil sie Händchen halten, bunte Fingernägel tragen, einfach nur, weil sie sie selbst sind. Und ihre ideologischen Vertreter sitzen heute mit im Bundestag, Landtagen, Gemeinde- und Ortsbeiräten. In einem Bundesland steht sie bei den Landtagswahlen kurz vor der absoluten Mehrheit.
Deshalb: Nein, wir lassen uns nicht unterkriegen und sagen laut „Wir sind Freunde von Dorothy!“